Verbrenner-Verbot: Anti-Diesel-Trolle werden immer panischer

Nachdem das EU-Parlament beschlossen hatte, dass ab 2035 die Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verboten werden soll, hatten sich fanatische Gegner von Verbrennungsmotoren schon gefreut und hatten das Verbot praktisch als Tatsache hingestellt. Nachdem sich nun, aus Sicht dieser Trolle ganz überraschend, herausgestellt hat, dass es nicht ganz so einfach ist, verfallen sie nun in Panik.

Das erste Problem: Jeder mit einem kleinen bisschen Wissen über die Prozesse zur Verabschiedung von Beschlüssen auf EU-Ebene hätte gewusst, dass der Beschluss des EU-Parlaments zunächst einmal nur die Position darstellt, die das EU-Parlament gegenüber anderen EU-Institutionen einnehmen wird: Das EU-Parlament hatte beschlossen, dass es ein solches Verbrenner-Verbot fordern will. Das EU-Parlament hat aber weniger Macht als zum Beispiel der Bundestag in Deutschland. Der Bundestag könnte tatsächlich eine Position gegen die Regierung durchsetzen. Das EU-Parlament kann das nicht. Sprich: Journalisten, die das Verbot bereits als Tatsache hingestellt hatten, müssen zunächst einmal verkraften, dass sie schon wieder lauter Unsinn geschrieben haben, und wieder solchen Unsinn, bei dem ein bisschen Recherche gereicht hätte, um es besser zu wissen. Was für Ottonormalbürger vielleicht wirklich neu ist, und was für Ottonormalbürger normalerweise auch gar nicht wichtig ist, hätte für Journalisten nicht neu sein dürfen. Es wurde nämlich schon häufiger über Vorgänge berichtet, bei denen das EU-Parlament das eine wollte, und die EU-Kommission etwas anderes.

Italien, Portugal, Rumänien, die Slowakei und Ungarn wollen das Verbot zumindest um 5 Jahre verschieben, und zwar nach hinten, auf 2040. Für Anti-Diesel-Trolle noch schlimmer ist jedoch, dass die EU-Umweltminister nun einen Vorschlag berücksichtigen, der unter anderem, aber nicht nur, von der FDP in Deutschland befürwortet wird: Es soll geprüft werden, ob sog. E-Fuels als klimaneutral gelten können. In diesem Fall wären auch Fahrzeuge, die ausschließlich (!) mit E-Fuels betrieben werden können, klimaneutral. Die Fahrzeuge müssten aber wahrscheinlich verhindern, dass Erdöl-basierte Kraftstoffe verwendet werden können, ähnlich der Erkennung von "echtem" AdBlue im AdBlue-Tank durch einen entsprechenden Sensor. Was der Sensor tun könnte, weiß ich nicht, das wäre aber auch nicht mein Problem. Es wäre das Problem derjenigen, die solche Fahrzeuge verkaufen wollen. Der wohl nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag eines Journalisten bei Heise, den Tankeinlass fünfeckig zu machen [3], wäre kaum praktikabel, da hier Betrug mittels Trichter und Kanister möglich wäre. Interessanter ist eher, dass der Autor nicht auf die Idee gekommen ist, Kraftstoff mit einem Sensor zu identifizieren.

Sollte es keine Einigung geben und Deutschland, Italien, Portugal, Rumänien, die Slowakei, und Ungarn gegen das Verbrenner-Verbot ab 2035 stimmen, wird es gar keinen Beschluss geben: Staaten können den möglichen Beschluss blockieren, wenn so viele Staaten dagegen stimmen, dass sie 35 Prozent der Bevölkerung repräsentieren [2]. Dann bliebe die alte Regelung bestehen, und die würde einen geringen Anteil an Verbrennern auch nach 2035 zulassen.

Nach heutigem technischen Stand wäre die Herstellung solcher E-Fuels so teuer, dass kein nennenswerter Markt dafür entstehen kann. E-Fuels wären im PKW nur für Enthusiasten interessant, für Enthusiasten, die die Technik des Verbrennungsmotors spannend finden. Wer jedoch unter finanziellen Gesichtspunkten Waren oder Personen transportieren will, für den wären solche Fahrzeuge eher keine Alternative, noch dazu, wenn man annimmt, dass es 2035 ein vernünftiges Ladenetz gibt. Das ist die Vermutung von heute, 2022. Nun reden wir aber von 2035, und bis dahin kann viel passieren. Falsch ist eine weitere gelegentlich von Journalisten aufgestellte Behauptung, nämlich dass für E-Fuel-PKW zusätzliche Infrastruktur zur Herstellung entwickelt werden müsse: Es wird sowieso E-Fuels geben, zum Beispiel für die Hochseeschifffahrt (nicht für die Fähren auf Hiddensee) oder für Langstreckenflüge (nicht für Flüge von München nach Hamburg). Die Frage, um die es wirklich geht, ist: können so viele E-Fuels hergestellt werden, dass zusätzlich auch PKW bedient werden können? Werden wir so viel Strom aus regenerativen Quellen haben, dass das möglich ist?

Und was passiert nun? Journalisten, die als Anti-Diesel-Trolle agieren und Journalisten, die auf Grund der Bildungsmisere sogar geglaubt haben, PKW seien verkleinerte LKW und müssten daher einen AdBlue-Verbrauch von 5% des Kraftstoffverbrauchs haben (siehe AdBlue und AdBlue-Verbrauch), schreiben Meinungsartikel über Meinungsartikel. In diesen Artikeln drücken sie ihre Meinung darüber aus, dass E-Fuels für PKW sowieso keine Zukunft haben, und dass man sie daher verbieten müsse. Sie fordern, etwas zu verbieten, das es ihrer Meinung nach ohnehin nicht geben wird. Sie schwadronieren davon, dass die FDP nicht nur so tue, sondern tatsächlich glaube, damit den Verbrennungsmotor retten zu können. Unabhängig davon, dass diese Journalisten bereits gezeigt haben, dass sie weder die Integrität haben, um sich über politisch aufgeladene Themen zu äußern, noch die Bildung besitzen, um sich über Themen mit Wissenschaftsbezug zu äußern, gibt es ein viel banaleres Problem, und zwar ein logisches.

Das zweite Problem lautet nun: Angenommen,

  • E-Fuels können sich tatsächlich nicht durchsetzen oder in nennenswerter Menge produziert werden, dann macht es überhaupt keinen Unterschied, ob sie theoretisch erlaubt sind, oder ob sie theoretisch nicht erlaubt sind. 
  • E-Fuels können sich doch durchsetzen und werden in nennenswerter Menge produziert, ebenso wie dazugehörige Fahrzeuge: Dann macht es auch keinen Unterschied, da der Gesetzgeber ja festgelegt hat, dass diese ausschließlich aus regenerativen Energiequellen stammen müssen, d.h. kein Gas-to-Liquid, sondern nur Power-to-Liquid, aber nicht Kohlepower-to-Liquid etc.

Die beiden Varianten sind logisch vollständig, d.h. es gibt keine dritte. Entweder, es wird reine E-Fuel-Fahrzeuge geben, oder eben nicht. Man kann also sagen: Für das Klima spielt es schlicht keine Rolle, ob es E-Fuel-Fahrzeuge geben wird oder nicht. Da es beim Verbot des Verbrennungsmotors um Klimaschutz geht, macht das die Diskussion irgendwie überflüssig. Für die Umwelt macht es übrigens auch keinen Unterschied, dafür wird die Euro 7 - Norm sorgen. Beim Lärm auch nicht: Ab etwa 30 km/h ist sowieso das Reifengeräusch dominant, d.h. der Wegfall des Motorengeräuschs ändert nichts Wesentliches, und bis 19 km/h muss das AVAS von Elektroautos sehbehinderte Personen warnen. Die Lautstärke des AVAS ist wiederum vergleichbar mit der Lautstärke von Verbrennern, wenn man nicht gerade Pumpe-Düse-Diesel als Maßstab nimmt. Es ist also viel Aufregung um nichts - und zwar um buchstäblich nichts. Das falsche Argument der Luftverschmutzung wird immer wieder verwendet, z.B. auch hier [4].

Sollte es doch ab 2035 reine E-Fuel-Fahrzeuge geben, stünden Journalisten wieder einmal sehr dumm da. Genauso dumm, wie nach der Behauptung, Diesel-PKW müssten 5% AdBlue verbrauchen, und das Nachfüllen eines AdBlue-Tanks sei zu kompliziert. Genauso dumm, wie nach der Behauptung, eine funktionierende Dieselabgasreinigung sei zu teuer. Genauso dumm, wie nach der Behauptung, Partikelfilter seien zu teuer (erst für Diesel, dann für Benzindirekteinspritzer). Genauso dumm, wie nach der Behauptung aus den 1980ern, Katalysatoren für Benziner seien zu teuer. 

Weitere Auswirkungen wird es nicht geben, egal welcher Fall eintritt. Die Forderung nach einem Verbot dürfte also hauptsächlich dadurch motiviert sein, nicht schon wieder so dumm dastehen zu wollen.

Erstaunlich ist schon die Aussage unter [1]:

Denn offen für neue Technologien zu sein, bedeutet eben gerade nicht, die Augen vor der Realität zu verschließen und wissenschaftliche Fakten zu ignorieren.

Das schreibt jemand in einem Umfeld, in dem allen Ernstes behauptet wurde, Diesel-PKW müssten 5% AdBlue verbrauchen, weil PKW verkleinerte LKW seien...

Befürworter möglichst vieler Verbote argumentieren nun: Wenn es sowieso keine Rolle spielt, warum ist dann die Aufregung wegen eines möglichen Verbots so hoch? Lasst es uns einfach verbieten, wenn es doch eigentlich egal ist. Meine Antwort: Warum fordern Befürworter möglichst vieler Verbote nicht auch, dass verboten wird, Schweine "Napoléon" zu nennen? In Frankreich ist das der Fall, und dieses Verbot führt dort zu keinerlei Problemen. Nach der Logik der Befürworter möglichst vieler Verbote müsste auch in Deutschland festgelegt werden, dass Schweine nicht mehr "Napoleón" genannt werden dürfen, da es ja niemanden stören würde und sowieso niemand sein Schwein "Napoléon" nennen will.

Und warum fordern manche Auto-Hersteller, z.B. Audi, ein Verbrenner-Verbot? Ganz einfach: Viele, darunter auch Audi, haben sich bereits festgelegt. Konkret bei Audi sollen ab 2026 keine neuen Modelle mehr mit Verbrennungsmotor erscheinen, bereits existierende Modelle noch weiterverkauft werden. Beim typischen Produktzyklus im VW-Konzern wäre das bis ca. 2032 oder 2033 möglich. Audi fordert einfach, nur noch das zu erlauben, worauf sich Audi strategisch bereits festgelegt hat. Aus Angst, auf das falsche Pferd zu setzen, egal wie unwahrscheinlich dieses Szenario ist, wird gefordert, alle anderen Pferde zu verbieten. 

Externe Links:

[1] Verbrenner-Aus: Die FDP ignoriert wissenschaftliche Fakten – mal wieder (abgerufen: 02.07.2022)

[2] EU-Minister zu Verbrennerverbot Gespannte Blicke auf Deutschland (abgerufen: 02.07.2022)

[3] Verbrenner-Aus: Die FDP, E-Fuels und das leere Gerede über Technologieoffenheit (Quelle: heise, abgerufen: 03.07.2022)

[4] E-Fuels bei VW: Skepsis im Aufsichtsrat von Volkswagen (Quelle: heise, abgerufen: 27.09.2022)

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